Das Salz der Franche Comté

Die Salzgewinnung und der Salzhandel haben die Geschichte der Franche Comté geprägt. Heute kann man die stillgelegten Salinen besuchen und erfährt, wie hart die Arbeit bis 1962 in den Salinen war. Riesenpfannen mit Sole wurden über Holzfeuer erhitzt, sodass das Wasser verdunstete und das Salz zurück blieb.

Salz zum Leben

Salz gehört auf den Tisch. Selbstverständlich. Ohne Salz kann man nicht leben. Wir konsumieren heute viel Salz, Salz ist billig. So war es nicht immer. Salz wurde das „weisse Gold“ genannt. Salz ist für Menschen überlebenswichtig und auch zum Konservieren von Lebensmitteln wurde es genraucht. Wer das Salzmonopol, das Hoheitsrecht auf die Salzgewinnung, hatte, war ein gemachter Mann. In der Schweiz besteht noch heute das Salzregal, das bei den Kantonen liegt und das alle an die Vereinigten Schweizerischen Rheinsalinen abgetreten haben. Bekannt sind neben den Salinen in Schweizerhalle die Salinen von Bex.

Mit einem Katzensprung über die westliche Landesgrenze lässt sich die Geschichte der Salzgewinnung hautnah nachvollziehen. In der Franche Comté kann man die „Saline royale d’Arc-et-Senans“ und die „Grande saline de Salins-de-Bains“ besichtigen.

Schon die Römer

Die Geschichte der Salzgewinnung reicht bis weit in die früheste Menschheitsgeschichte zurück. Wahrscheinlich gewannen die Menschen das erste Salz durch natürliche Verdunstung von Meerwasser. Meersalz wird auch heute noch gewonnen.
Erste Methoden der organisierten Salzgewinnung aus Sole lassen sich nicht nur bei den Römern nachweisen, sondern schon bei den Kelten. Diese nutzten natürliche Solequellen. Sole ist eine wässrige Lösung von Salzen, die mindestens 14 Gramm gelöster Stoffe pro Kilogramm Wasser enthält.

Riesige Salzpfannen

Die Kelten fingen salzhaltiges Wasser aus Solequellen in Wannen auf und liessen es in dickwandigen Tonkrügen auf einer gross angelegten Feuerstelle eindampfen.
Der nächste Schritt in der Salzgewinnung aus Sole erfolgte im Mittelalter. Die Menschen schufen Hohlräume im Salzgestein, leiteten Wasser ein und lösten so das Salz aus dem Fels. Dieses wurde in Sudhäusern über Tage gesiedet. In sogenannten „Pfannen“ wurde das Salzwasser so lange erhitzt, bis nur noch ein Salzbrei übrig blieb, der dann getrocknet wurde. Bis 1962 wurde nach diesem Prinzip Salz in Salins-les-Bains gewonnen.

Salines-les-Bains

In Salins-les-Bains wurde 1200 Jahre lang Salz produziert. Im Mittelalter warfen Salzproduktion und Handel hohe Gewinne ab. Die Salzquellen von Salins wurden deshalb schon im 13. Jahrhundert durch unterirdische Stollen besser zugänglich gemacht. Es wurden zusätzliche Brunnen gebohrt. Die Sole wurde mit einer Art Paternoster mit Wasserkesseln ans Tageslicht befördert. Dazu liess man Pferde stundenlang im Kreis gehen. Ab dem 18. Jahrhundert konnte das so gewonnene Salzwasser mit Hilfe von Wasserkraft nach oben gepumpt werden. In den oberirdischen Produktionsstätten kochte man die Sole in riesigen Pfannen 12-18 Stunden lang, bis das Wasser verdampft war und das Salz zum Trocknen zu Ballen geformt werden konnte.

Unmenschliche Arbeitsbedingungen

Bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts schufteten Arbeiter und Arbeiterinnen in der Salzfabrik. Die Arbeit an den Feuerstellen und an den heissen rechteckigen Salzpfannen war unmenschlich. Das Salz musste aus der heissen Pfanne gerecht und in Wagen geschaufelt werden. Die Arbeiter hatten lange Arbeitstage, kaum Ferien und die Löhne waren schlecht.

Mit der Zeit wurden jedoch immer bessere und günstigere Produktionsmethoden entwickelt, sodass die Saline nicht mehr rentabel betrieben werden konnte. Zudem benötigte man zum Sieden Holz als Brennstoff, den die Wälder um Salins nicht mehr liefern konnten. So wurde ein Teil der Produktion schon im 18. Jahrhundert nach Chaux verlegt, wo man einen grossen Wald ausbeuten konnte. Die Versorgung mit Kohle erwies sich ebenfalls als unwirtschaftlich.

Heute wird noch Sole für das Thermalbad genutzt. Ein Besuch des Salzmuseums ist beeindruckend. Unglaublich, was Generationen da unter und über Tag konstruiert und gearbeitet haben.

Via Salina – unterwegs auf den Salz-Pfaden

Terra Salina ist ein Projekt zur Entwicklung des mobilen Tourismus im französischen und schweizerischen Jurabogen. Das Projekt wurde 2012 durch die Königliche Saline von Arc-et-Senans, der Region von Yverdon-les-Bains, der Grossen Saline von Salins-les-Bains, der Stiftung des Salzbergwerkes von Bex, der Altstadt von Bern und der Zitadelle von Besançon initiiert.

Die historische Via Salina war eine lebenswichtige Ader für die Republik Bern. Über Jahrhunderte hat sie dazu gedient, das begehrte Salz von Arc-et-Senans und Salins-les-Bains zu importieren. Der Transport erfolgte mit Hilfe von Lasttieren, Wagen und mit dem Boot.

Informationen über die verschiedenen Routen zu Fuss oder per Velo: terrasalina.eu

Saline von Arc-et-Senans

Heute wirkt die königliche Saline von Arc-et-Senans wie ein Prunkbau. Herrschaftliche Steinhäuser mit Säulen erzählen von der Geschichte des Salzes, aber auch vom Architekten Claude Nicolas Ledoux. 1771 wurde er Bevollmächtigter für die Salzbergwerke in der Franche Comté und in Lothringen. In dieser Funktion unternahm er eine Inspektionsreise, bei der er die Unwirtschaftlichkeit der Salinen, insbesondere im heutigen Salins-les-Bains erkannte. Er schlug den Bau einer neuen Saline in 17 Kilometer Entfernung, am Rand des Waldes von Chaux vor. Das Salzwasser sollte durch Leitungen dorthin geleitet werden. „Es ist einfacher, das Wasser auf Reisen zu schicken, als einen Wald Stück um Stück durch die Gegend zu fahren.“
König Ludwig XV. gab als Inhaber des Salzmonopols das Projekt im April 1773 in Auftrag. Ein Jahr später legte Ledoux seinen erste Entwürfe vor. Die Arbeiten dauerten drei Jahre.

Zeuge der Zeit

Ledoux errichtet nicht nur eine grosszügige Fabrikanlage. Sie repräsentiert auch die gesellschaftlichen und politischen Vorstellungen seiner Zeit. Der Absolutismus ist in Stein dargestellt. Die abnehmend aufwendige Gestaltung der Portale legt die Hierarchie der Teile der Saline dar: Direktor – Wache – Verwaltung – Produktion – Arbeiter.
Das Haus des Direktors im Zentrum ist das uneingeschränkte Machtzentrum. Von hier werden sämtliche Abläufe koordiniert und überwacht. Die Arbeiter und ihre Familien leben wie Leibeigene oder Sklaven. Sie dürfen die mit einer Mauer geschützte Anlage nicht verlassen. Der Gottesdienst findet unter Aufsicht des Direktors, in seinem Haus und unter räumlich erniedrigenden Bedingungen statt. Nicht die Erkenntnis, das Salz der Erde zu sein, steht im Vordergrund, sondern Diener des Salzes.

Unesco Kulturerbe

Die Saline blieb bis 1895 in Betrieb. In den 1920er Jahren wurde sie unter Denkmalschutz gestellt. Schliesslich wurde sie saniert. Sie beherbergt heute als Unesco Weltkulturerbe ein Ledoux-Forschungszentrum, ein Museum über die Salzgewinnung und ein Museum über die Werke und Ideen des Erbauers Claude Nicolas Ledoux sowie Gästezimmer beherbergt. Die beiden ehemaligen Salzwerkstätten werden heute als Veranstaltungszentrum für Ausstellungen und ähnliches genutzt.
Die beiden Salinen muten heute sehr unterschiedlich an, obwohl sie der gleichen Bestimmung dienten. Faszinierend bei der Saline in Salins-les Bains die Kombination der historischen Fabrikgebäude und unterirdischen Hallen mit zeitgenössischer Architektur.

Informationen: salinesdesalins.com, salineroyale.com, franche-comte.org