Im Berner Oberland gehen die beiden Wanderlustigen Remo und Marco auf Wasserfall-Erkundungstour. Trotz feuchtfröhlichem Wetter fassen sie sich ein Wanderherz und begeben sich auf die Abenteuerreise über Stock und Stein, oder besser gesagt über See und Sturzbach.

Ahoi, Brienzersee!

Die Füsse lassen wir auf Schiff noch etwas baumeln. In Bönigen an der Schiffsstation, unserem Start und Ziel, stechen wir in See. Bei gemächlicher Fahrt zeigt sich uns die atemberaubende Kulisse rund um den Brienzersee. Vereinzelte Nebelschwaden und ein paar Tröpfchen von Oben verleihen der Berner Oberländer Wasserwelt einen ganz besonderen Ausdruck. Etwas Mystisches liegt in der Luft. Vom Deck aus erahnen wir unser erstes Ziel: das Grand Hotel Giessbach. Anmutig thront das knapp 150-jährige Gebäude auf einem Felsvorsprung über dem See.

Mittagessen im «Les Cascades»

Mit der ältesten Standseilbahn Europas werden wir direkt von der Anlegestelle zum Eingang des Restaurants transportiert. Oben angekommen, lassen wir es uns erstmal richtig gutgehen. Im «Les Cascades», zu Deutsch die Wasserfälle, ist für uns ein Tisch reserviert. (Eine Reservation empfehlen wir auch Ihnen.)
Der Name des Restaurants ist nicht weit hergeholt: Vor der Fensterfront stürzen tosend die Wassermassen des Giessbachs in die Tiefen und münden wenig weiter in den Brienzersee. Romantischer geht es kaum. Punkteabzug gibt es beim Essen. Die Präsentation ist ansprechend und macht «gluschtig», aber geschmacklich gesehen ist das «Les Cascades» nur ein Rinnsal im Schatten des gewaltigen Giessbachs.

Fall Nr. 1 – Im Bann des Wassers

Der erste Wanderschritt ist abenteuerlich: Ein kleiner Steg überbrückt den Giessbach und verschafft spektakuläre Einblicke in die Wassergewalt. Aus der Nähe imponieren die reissenden Wassermassen ungemein. Leicht benetzt von der Gischt brechen wir auf Richtung Iseltwald. Der Wanderweg führt durch Wald und über Wiesen, vorbei an Bauernhöfen und herzigen Kälbern. Zu unserer Rechten ruht stets der Brienzersee. Seine für die Vorsommerzeit charakteristische grün-blaue Farbe blitzt immer wieder hinter dem Schleier aus Bäumen hervor. Einfach magisch.

Fall Nr. 2 – Mit Einladung zum Ausruhen

Zwischenzeitlich wandern wir entlang der Autobahn. Das Ein- und wieder Auftauchen aus dem Strassenrauschen schärft die Sinne für die natürlichen Momente. Der Stimmung tut es aber keinen Abbruch. Wir haben schon geglaubt, irgendwo falsch abgebogen zu sein und den Wasserfall verpasst zu haben. Doch kurz nach dem Dorf Iseltwald hören wir ein leises und erlösendes Rauschen aus dem Wald. Der Weg wird schmaler und steiler. Ein Trampelpfad führt uns direkt hinter den Wasserfall, wo wir auf einer Sitzbank den Blick durch das fallende Wasser geniessen können. Es scheint, als würden die Wassermassen direkt aus dem Himmel stürzen. Die Hälfte der Wanderung ist bereits geschafft.

Fall Nr. 3 – Die versteckte Perle

Grosse und breite Wege wechseln mit kleinen und schmalen Pfaden, die sich übers Wurzelgeflecht und entlang steiler Abhänge winden. Fast scheint es, als müsste man sich den Blick auf den dritten Wasserfall erst verdienen. Der letzte Abschnitt unserer Wanderroute hat hohen Tribut gefordert. Prompt ist ein Stück Sohle des Wanderschuhs auf der Strecke geblieben. Der schnörklige Weg erfordert neben dem passenden Equipment vor allem auch Kondition und Konzentration. Die Mühen machen sich in jedem Fall bezahlt. Der letzte Wasserfall auf unserer Reise ist Teil des Erschwandenbachs, und ist eine wahre Perle. Er versteckt sich leicht abseits des eigentlichen Weges. Entdecken Sie ihn selbst.
Bis nach Bönigen ist es von hier an nicht mehr weit. Das Dorf am See scheint bereits zum Greifen nah zu sein. Tiefenentspannt und voller eindrücklicher Impressionen aus der Wasserwelt des Berner Oberlands schliessen wir unsere Wasserfall-Wanderung ab.

Die Wanderung in Kürze

Bönigen Schiffstation – Giessbach40 Minuten (Schifffahrt)
Giessbach – Iseltwald90 bis 120 Minuten
Iseltwald – Erschwanden90 bis 120 Minuten
Erschwanden – Bönigen Schiffstation30 Minuten
Totale Wegzeitmax. 310 Minuten

Tipps

  • Wenn es Ihnen nicht lang genug sein kann, empfehlen wir mit dem Schiff in Interlaken Ost abzulegen, und den ganzen See bis nach Brienz zu überqueren. Nach einer Stunde Wegzeit ab Brienz sind Sie pünktlich zum Lunch im «Les Cascades».
  • Das Maison Bergdorf in Interlaken bietet die perfekte Unterkunft für Wanderbegeisterte.
  • Wer mag, kann sich gerne bei unserem Wanderrezept bedienen und sich unterwegs mit einem fruchtigen Fenchel-Salat erfrischen und stärken.

Wir wünschen viel Vergnügen beim Nachwandern!