1 | Deutsche Hip-Hop-Geschichte

Zum ersten Mal bin ich Hamburg durch deutschen Hip Hop begegnet, als in meinen Teenie-Jahren die Beginner durch meine Stereoanlage rappten «Das ist Hamburg … und die Sonne scheint nicht, nein es pisst. Wie immer, hier sind die Beginner …» Weiter ging es dann mit Samy Deluxe, Das Bo oder Dendemann, die immer wieder von dieser Stadt an der Elbe erzählten. Früh war mir klar, dass ich irgendwann diesen Gänsemarkt, den Jungfernstieg und die berühmt berüchtige Reeperbahn sehen muss. Ob einfach unter der Sternbrücke durchlaufen, die Jan Delays Album «Wir Kinder vom Bahhof Soul» ziert oder direkt in Samy Deluxes Restaurant essen zu gehen, Hamburg und Hip Hop gehören für mich zusammen wie der Wind und das Meer. Es liegt nahe, dass wenn ich durch Hamburg ziehe, tausend Songtexte durch meinen Kopf zischen. Da stört es wirklich nicht, dass es ständig zu regnen scheint in dieser «derbsten Stadt der Welt».

Tipp: Restaurant Gefundenes Fressen

2 | Die Reeperbahn

Zu jeder Hafenstadt gehört auch ein bisschen Rotlicht und auf der sündigsten Meile der Welt in St. Pauli kann man sich allemal vergnügen. Clubs, Bars und Erotiketablissements ziehen am Wochenende tausende von Leuten an. In der Grossen Freiheit und am Hamburger Berg holt man sich für wenig Geld einen Drink und hüpft von Bar zu Bar. Praktisch, denn die Musik hört man schon von aussen und so kann man ganz einfach den passendsten Ort zum Feiern finden.

Das alles macht die Reeperbahn eigentlich ziemlich harmlos. Einzig in der Herbertstrasse hört der Spass auf. Dort sitzen die jungen Damen im Schaufenster und schaulustigen Frauen und Jugendlichen ist der Zutritt – zu ihrer eigenen Sicherheit – nicht zu empfehlen. Verboten ist es ihnen rechtlich gesehen nicht, doch sollen Frauen der Legende nach mit Eimern voll Urin begossen werden, wenn sie die ca. 100 Meter lange Strasse betreten. Gut, gibt es an der Reeperbahn so viel mehr zu sehen.

3 | Der Fischmarkt

Wer Sonntags um 5.00 Uhr Morgens keinen Abstecher an den Fischmarkt macht, ist selber Schuld. Denn hier erwartet einen ein buntes Treiben aus Marktschreiern, angesäuselten Ausgehwütigen und noch schlaftrunkenen Touristen. In der Fischauktionshalle spielt eine Band rockige Coversongs aus aller Welt, während man Schlange steht, um sich sein Brötchen mit frischem, heissen Backfisch abzuholen. Kommt man aus der Halle wieder heraus, drückt schon die Sonne durch den nächtlichen Wolkenschleier hindurch und der altonaer Tag erwacht. Also ob Frühaufsteher, der sich den Wecker stellen muss, oder Nachtschwärmer, der lieber gleich in den Morgen hinein feiert: Am Fischmarkt findet jeder seine Bestimmung.

4 | Schanzenviertel

In der Schanze findet man von urchigen Bars über hippe Boutiquen bis hin zu stylischen Restaurants alles was das Herz begehrt. Renovierte Altbauten tronen über Bars mit Festbänken. Eine unbeschreiblich gemütliche Stimmung. Tagsüber kann man schlendern oder shoppen und abends in den zahlreichen Kneipen in wohliger Atmosphäre das Feierabendbier trinken. Obwohl auch schon Nachmittags mit Weissweinschorlen und Aperol Spritz angestossen wird.

Tipp: Im Restaurant Südhang gibt es hervorragenden Wein, köstliches Essen und eine unglaublich nette Bedienung, die zum Schluss gerne mal einen Absacker mittrinkt.

5 | Mit Grössenwahn im Hafen anlegen

Wenn man im 25hours Hotel Hafencity schläft, verbringt man seine Nächte schon mitten in der futuristischen Hafencity. Während eines Spaziergangs der Elbe entläng, passiert man die imposante und im Bau ziemlich kostspielige Elbphilharmonie und jede Menge Wahnsinns-Architektur. Zwischendurch dröhnt es von den Schiffen, die den Hafen gerade verlassen und ein Wind weht durchs Haar, sodass auch der Kater der letzten Nacht an der Reeperbahn im Nu vergessen ist. Bis 2020 soll Wohnraum für bis zu 12’000 Menschen geschaffen werden. Gut, dass wir noch einige Jahre Zeit haben diesen Vorgang zu beobachten.

6 | Hoch auf die Heimat

Das Heimatgefühl steht bei den Hamburgern ganz weit oben. Denn «Hamburg ist das Tor zur Welt. Aber eben nur das Tor», sagte auch schon Karl Lagerfeds oft zitierte Mutter. In Zeiten von Globalisierung und Internet wird es wieder wichtig sich geborgen zu fühlen. Deshalb gibt es in den meisten Hamburger Cafés und Restaurants keine amerikanische Coca Cola, sondern lieber die starke Fritz Kola. Bestellt man ein Bier, gibt es ein Astra. Zum Nachmittagssnack isst man Labskaus und der Wachmacher ist Deathpresso aus St. Pauli. Alles Dinge, die den Hamburger an seine Heimat erinnern, und das ist auch gut so.

7 | Nivea

Wer kennt sie nicht? Die weisse, pampige Crème in der blauen Dose, die wir uns als Kinder im Skiurlaub ins Gesicht schmieren lassen mussten und auch auf jeder Schulreise einen Platz im Rucksack fand. Verantwortlich dafür war der Hamburger Apotheker Oscar Troplowitz, der 1911 einen neuen Elmugator entdeckte, der es ihm möglich machte eine stabile Öl-in-Wasser Verbindung herzustellen. Die Rezeptur der Creme blieb bis heute nahezu unverändert. Natürlich kamen viele weitere Produkte zur Blauen Marke hinzu. Im Nivea Haus Hamburg, direkt am Jungfernstieg, kann man sich während Kosmetikbehandlungen mit den Produkten verwöhnen lassen oder gleich seine eigene Dose gestalten.

8 | Die entspannte Atmosphäre

Trotz der grossen Stadt hat man selten das Gefühl, das irgendwo Stress aufkommt. Die Hamburger sind ein gemütliches Völkchen. Vielleicht liegt es auch am Schmuddelwetter. Wenn man es sich ohnehin schon gewohnt ist, lässt man sich auch davon nicht aus der Ruhe bringen. Und scheint doch mal die Sonne, freut man sich darüber umso mehr.

9 | Musicals

Ja ja, viele Menschen mögen Musicals nicht. Zu künstlich, zu kitschig. Doch wenn man sich in der Musical-Hauptstadt Deutschlands befindet, kann man nicht widerstehen. Die Musicals haben hier Geschichte. So fand zum Beispiel die deutsche Uraufführung von Andrew Lloyd Webers Cats im April 1986 im Operettenhaus an der Reeperbahn statt. Nachdem das Stück so erfolgreich war, sollte mehr Platz für weitere Produktionen geschaffen werden. Der Bau eines der grössten Theater Deutschlands war jedoch sehr umstritten. Eigentlich sollte das ehemalige Floratheater dafür genutzt werden, doch besetzten Autonome den maroden Bau im Schanzenviertel und ein neues Theater musste her. So entstand nach langen Debatten mit Anwohnern die Neue Flora, wo wir uns in den hohen Rängen den Disneyklassiker Aladdin anschauten. Man kann über Musicals denken wie man will, doch wenn die Zeit stehen bleibt, es im Saal dunkel und die Bühne zum Sternenmeer wird, weil Alladin und Prinzessin Jasmin auf dem fliegenden Teppich über eine neue Welt schweben, bleibt wohl keinem ein Schmunzeln aus.

10 | Plattdeutsch

So richtig freundlich sind die Hamburger eigentlich nicht. Und trotzdem sympathisch. Ich glaube es liegt am Dialekt, denn wenn man ins Taxi einsteigt und der Fahrer im breitesten Hamburger Platt «Willkommen in Hamburch, wo wollnse hin?» ruft, zucken die Mundwinkel. Ihre Art ist zwar rau, doch ehrlich. Und bekanntlich währt Ehrlichkeit am längsten. Deshalb: Adjüs Hamburch, wir kommen wieder!