Was verbindet man mit Regensburg? Die Autorin glaubte sich dunkel zu erinnern, dass es eine Studentenstadt in Bayern ist. Diese Erinnerung war richtig: Über 20’000 Studenten leben und studieren derzeit in der bayrischen Stadt Regensburg. Und dies offenbar sehr gerne: In einer europaweiten Umfrage unter Erasmus-Studenten im vergangenen Jahr schaffte es Regensburg als einzige deutsche Stadt in die Top Ten und liess Metropolen wie Berlin oder München weit hinter sich. Das muss ja seine Gründe haben! Und dabei kann es kaum nur um gute Dozenten und schöne Hörsäle gehen…Globesession war sich sicher: «There’s something about Regensburg!» und ist nach Bayern gereist, um die Stadt kennenzulernen und (hoffentlich!) ihr Geheimnis zu ergründen.

Auf Zeitreise durch die Altstadt

Wir starten unseren Tag am Eingang der umfangreichen Altstadt. Diese ist bis auf Anlieger- und Lieferantenverkehr autofrei und seit 2006 ein UNESCO Weltkulturerbe. Kein Wunder: Über 1’500 denkmalgeschützte Gebäude und ein Stadtbild aus lang vergangenen Zeiten machen Regensburg zum Anziehungspunkt für zahlreiche Touristen. Diesen Umstand verdankt die Stadt dem späten Einsetzen des Nachkriegsaufschwunges Ende der sechziger Jahre – Regensburg fehlte es schlicht an Geld für Neubauten und grosse Investitionen. Im Nachhinein kann man nur sagen: Welch ein Glück!

Wir folgen der Fröhliche-Türken-Strasse Richtung Norden. Hier befinden sich zahlreiche Geschäfte und kleine Cafés. Am Ende der Strasse biegen wir nach links auf den grosszügigen Neupfarrplatz ein. Hier laden mehrere Marktstände, Sitzgelegenheiten und Strassencafés zum Verweilen ein. Bei einer Tasse Kaffee macht uns das Beobachten der flanierenden Menschen gleich noch mehr Spass.

Durch die Untere Bachgasse gelangen wir zum Rathausplatz. Wer sich gerne einer der zahlreichen Stadtführungen anschliessen möchte – hier ist der richtige Start und Endpunkt dafür.

Das schmucke Alte Rathaus ist heute Sitz des Oberbürgermeisters und einem Teil der Stadtverwaltung und beherbergt das Museum «document Reichstag». Hier fand von 1663 bis 1806 der so genannte immerwährende Reichstag statt. In einer kurzweiligen Führung kann man mehr über dessen Bedeutung und die Stadtgeschichte erfahren.
Gleich nebenan liegt ein weiterer schöner und grosszügiger Platz, der Haidplatz. Er ist einer der ältesten und traditionsreichsten der Stadt und war bereits im Mittelalter Schauplatz grosser Ritterturniere und Feste. Auch heute ist auf dem Haidplatz noch einiges los, so finden hier Events wie das Bürgerfest, diverse Märkte oder der Regensburger Kultursommer statt.

In nächster Nähe befindet sich das ehemalige Handwerkerviertel der Stadt. In der Kram- und der Tändlergasse gibt es zahlreiche Antiquitäten und Kuriositätenhändler an deren Schaufenstern man eine halbe Stunde verbringen könnte, um in der 31. Minute doch noch etwas Neues zu entdecken. Auch die Zunftschilder, die an vielen der bunten Häuser hängen, machen einen Spaziergang durch die Gässchen zu einem Must-Do in der Regensburger Altstadt.

Die Kramgasse mündet direkt auf den Domplatz und somit zum Wahrzeichen von Regensburg: dem Dom St. Peter. Er wurde nicht auf einmal erbaut, sondern in vielen Etappen, die sich über 600 Jahre erstreckten. Das Gotteshaus zählt zu den bedeutendsten Bauwerken der Gotik in Bayern und beeindruckt uns schon mit seiner puren Grösse. Besonders freut uns, dass die Kathedrale derzeit fast frei von Baugerüst ist, was bei solchen Bauwerken ja doch eher eine Seltenheit ist.

500 Jahre altes Fast Food – Mittagessen in der historischen Wurstkuchl

Sightseeing macht hungrig. Es ist Zeit für ein kulinarisches «Must» bei einem Besuch in Regensburg. Direkt am Ufer der Donau, gleich neben der Steinernen Brücke, steht Deutschlands älteste Wurstbraterei, die Wurstkuchl. Hier stärkten sich bereits im Mittelalter die Hafenarbeiter und Brückenbauer mit der Spezialität des Hauses: Bratwürstl auf Kraut mit hausgemachtem süssem Senf und Kipferln (Brötchen). Ob als Take Away im Kipferl oder im Teller auf den sonnigen Bänken vor der 500 Jahre alten «Imbissbude», Touristen wie Einheimische stehen täglich Schlange – und das nicht nur zur Mittagszeit. Die kleinen Schweinsbratwürste werden nach traditionellem Rezept hergestellt und direkt auf dem Holzkohlegrill gebraten. Anstehen lohnt sich hier definitiv!
Foodtipp Thundorferstrasse 3, Regensburg, wurstkuchl.de

Über die Steinerne Brücke musst du gehen

Gestärkt geht es nun direkt zu einem weiteren Highlight von Regensburg. Die Steinerne Brücke ist neben dem Dom das bedeutendste Wahrzeichen der Stadt. Vermutlich 1146, nach nur 11 Jahren Bauzeit, wurde die Brücke eröffnet und war beinah 800 Jahre lang die einzige durchgehende Brücke über die Donau. In steinernen Rundbögen überspannt sie auf etwa 300 Metern den Fluss und verbindet so die Altstadt mit dem Stadtteil Stadtamhof. Von der Brücke geniessen wir einen herrlichen Ausblick auf Regensburg. Nur auf manchen Brückenabschnitten ist die Sicht derzeit noch etwas eingeschränkt: das mittelalterliche Bauwerk wird seit 2010 saniert. Die Fertigstellung der Arbeiten ist jedoch noch für dieses Jahr geplant.

Jenseits der Reichsstadt – Stadtamhof und Donauufer

Am anderen Ufer angekommen, sind wir in der Stadtamhof. Hier befand man sich bis 1924 nicht mehr in der Reichsstadt Regensburg, sondern tatsächlich in einer eigenständigen Mini-Stadt. Eine grosszügige Hauptstrasse verläuft direkt ab der Brücke gesäumt von bunten Häusern mit verlockenden Eisdielen, Cafés oder Bistros. Es wimmelt von Radfahrern, Familien und Studenten. Über ein paar Stufen hinab gelangen wir ans grüne Donauufer. DER sommerliche Treffpunkt für die Regensburger Studenten. Hier wird musiziert, gegrillt oder einfach gechillt. Wir setzen uns dazu und geniessen die Ferienlagerstimmung.

Frisches Bier direkt aus dem «Spital»

Bevor wir ans Abendessen im Biergarten denken, lernen wir noch etwas über die Herkunft des Gerstensafts. Denn direkt an der Steinernen Brücke befindet sich Regensburgs älteste Brauerei (und eine der ältesten Deutschlands). Sie entstand zusammen mit der Spitalstiftung im Jahre 1226. Daher auch der vielleicht etwas gewöhnungsbedürftige Name des Biers, «Spital». Dass Spitäler eine Brauerei unterhielten, war damals selbstverständlich, doch im Laufe der Jahrhunderte wurden sie aufgelöst. Das Regensburger Spital hingegen, wurde im 19. Jahrhundert in eine selbständige Stiftung umgewandelt und der Brauereibetrieb fortgesetzt. Das kleine, aber engagierte Brau-Team setzt auf Tradition und Innovation zu gleichen Teilen und hat kürzlich auch verschiedene Craft Biere auf den Markt gebracht. Da die Brauerei direkt mit einem grosszügigen Gasthaus und einem herrlichen Biergarten verbunden ist, ist der Ausdruck «frisch vom Fass» hier also mehr als treffend. Mit unzähligen Kastanien und direktem Blick auf die Donau ist der Biergarten des «Spitals» sicherlich einer der schönsten der Stadt. Hier gibt es die typischen zünftigen Biergartenspezialitäten, wie Knödel, Brezn mit Obatzda oder Weisswürste. Wir sitzen und speisen in einem kunterbunten Gäste-Mix aus Studenten, Anzugträgern und Familien und fragen uns wehmütig, warum es so etwas in der Schweiz nicht gibt.
Spitalbrauerei, Am Brückenfuss 1-3, Regensburg, spitalkeller.com

Ein Heimweg-Eis am Bismarckplatz

Satt und zufrieden geht’s auf den Rückweg zum Hotel. Dachten wir. Immerhin was das «satt» betrifft. Der Heimweg führt uns nämlich vorbei an einer der Eisdielen von Regensburg, das «Stenz». Kein Wunder also, dass sich auch hier ab und an eine Schlange bildet, doch die Wartezeit eignet sich bestens, um sich für eine der leckeren Sorten zu entscheiden. Das Eis in der Hand biegen wir um die Ecke auf den Bismarckplatz. Hier scheint was los zu sein! Es wimmelt von jungen Menschen. Trinkend, schwatzend, rauchend trifft sich hier die Studentenszene von Regensburg. Auf dem hell gepflasterten, klassizistischen Platz befinden sich zwei hübsche Springbrunnen, das imposante Präsidialpalais und das Stadttheater.
Stenz Eis Bismarckplatz 9, Regensburg, facebook.com/StenzEis

So endet für uns ein erlebnisreicher und doch entspannter Tag in Regensburg. Eine unheimlich sympathische Stadt, die sich nicht nur in Studentenumfragen, sondern auch in Rankings bezüglich Lebensqualität seit vielen Jahren top ist. Der ausgewogene Mix aus Studenten, Familien, Rentnern und Gästen, die herrliche Lage an der Donau, eine beinah autofreie Innenstadt und viel Gastronomie … in Regensburg fühlt man sich sofort wohl. Die Highlights der Stadt lassen sich bequem in ein bis zwei Tagen zu Fuss erkunden und geniessen. Wer gerne länger bleiben möchte, findet in und um die Stadt noch viele weitere attraktive Sehenswürdigkeiten und mögliche Freizeitaktivitäten. Auch der Veranstaltungskalender der Stadt bietet rund ums Jahr Einiges.

Obwohl nicht an einer Hauptverkehrsachse gelegen, ist Regensburg mit dem PkW, Bahn oder Bus bequem zu erreichen (4 bis 5 Stunden von Zürich) und definitiv auch für Nicht (mehr)-Studenten eine Reise wert!

Mehr Infos: tourismus.regensburg.de