Unterwegs in der Reisschüssel von Thailand

«Ich halte meine Schlangen Zuhause in der Küche», sagt Pratoeng, der 67-jährige Vizepräsident des King Cobra Club von Kok Sanga. «Schlangen sind für mich Familienmitglieder.» Er besitzt drei Pythons und genauso viele Königkobras. Ich befinde mich in der Provinz Isaan im Nordosten Thailands; wegen seiner hohen Reisproduktion wird die Gegend auch die Reisschüssel Thailands genannt. Und im Dorf Kok Sanga besitzt jeder Haushalt mindestens eine Schlange. Es ist weitum als das Schlangendorf berüchtigt.

Pratoeng kann sich noch an die Anfänge der Schlangenzeit erinnern. Er war damals sieben Jahre alt. Die Dorfbewohner suchten nach Käufern für ihre potenzfördernden Kräuter. Als Marketingtool entdeckten sie Schlangenshows für sich. «Diese Shows lockten die Bewohner der umliegenden Dörfer an», sagt Pratoeng. Gleichzeitig zogen sie in den kommenden Jahren mit den Schlangenshows durch die Provinz Khon Kaen und verkauften fleissig ihre «Bettmümpfeli».

Der Schlangenboxer

Der Umgang mit Schlangen birgt grosse Gefahren in sich. «Mein Herz stand für zwei Minuten still», sagt Sali Phramoeng. Vor einem Jahr biss ihn eine seiner Schlangen in die rechte Hand. Das Gift griff das Nervensystem an. Er benötigte zehn Dosen Antiserum und war zwei Tage bewusstlos. Er kämpfte sich ins Leben zurück. «Inzwischen stehe ich wieder in der Arena».

Sali Phramoengs Spezialität ist das Schlangenboxen. Die Königsdisziplin. Schlangenboxer fordern Schlangen zum Angriff heraus. Blitzschnell strecken sie ihre Hände aus, berühren Schlangen am Kopf oder einem anderen Körperteil. Ärgern sie. Bis diese auf die Schlangenboxer losgehen. Und hier zeigt sich, ob die furchtlosen Thais über die nötige Reaktion verfügen. Sie müssen in Sekundenbruchteilen ausweichen.
Wer meint, Sali Phramoengs hätte nichts aus seinem Unfall gelernt, irrt. Er sagt: «Mein Respekt den Schlangen gegenüber und auch die Vorsicht beim Kampf sind gestiegen.» Er sei nunmal kein junger Kämpfer mehr. Und auch sonst geht der 64-jährige Thai das Leben inzwischen etwas ruhiger an: «Mein Hobby als Krokodiljäger habe ich nach dem Unfall ebenfalls aufgegeben.»

Reisen und Erleben mit tourasia

Ich traf die Schlangenboxer im Rahmen einer von tourasia organisierten Reise. Der Schweizer Asienspezialist tourasia hat sich «der persönlichen Art des Reisens» verschrieben. Heisst: Kein Massentourismus. Man reist individuell oder in Kleingruppen. Mit Guides, die sich auskennen. Mit der Einstellung mehr über die Menschen, ihre Kultur und ihr Land zu erfahren. tourasia wurde erst kürzlich von Thailand Tourismus als Anbieter für nachhaltigen Tourismus ausgezeichnet.