«Verlängertes Wochenende? Cool! Wohin geht’s?» – «Rothenburg ob der Tauber». Es folgt ein fragender, leicht irritierter Gesichtsausdruck. «Das ist in Franken.» – Immer noch der gleiche Gesichtsausdruck. «Das ist ein Teil von Bayern.» – «Ahaaaaaaaaa!»

So oder so ähnlich hat es sich im Vorfeld meines Trips mehrmals zugetragen. Der offizielle Platz 5 von Deutschlands Top Sehenswürdigkeiten scheint sich in der Schweiz noch nicht wirklich als Destination etabliert zu haben. Anders verhält es sich hier mit Japan, den USA und Spanien, aber dazu später mehr.

Über Rothenburg ob der Tauber

Rothenburg ist historische Kleinstadt-Idylle. Dies ohne dabei kitschig oder altmodisch zu wirken. Gemütlich, freundlich und weltoffen fühlt man sich hier sofort wohl und vom romantischen Charme der Stadt verzaubert.

So inspirierte Rothenburg schon immer Künstler und Designer aus aller Welt. Die hiesige Architektur war Vorbild für den deutschen Pavillon auf der Weltausstellung 1893, und auch Walt Disney wurde für «Pinocchio» von der romantischen Kulisse der Stadt beeinflusst. So ist es kaum verwunderlich, dass das pittoreske Städtchen das ist, was man sich in Übersee unter «typisch deutsch» vorstellt. So sind es – abgesehen vom Binnentourismus – insbesondere Japaner, US-Amerikaner und Spanier, die es ins Städtchen ob der Tauber zieht. Die Besucherzahlen beeindrucken: Rothenburg empfängt jährlich rund 2 Millionen Besucher – bei einer Einwohnerzahl von lediglich 11’000.

Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten

Die malerische Altstadt von Rothenburg ist überschaubar und bequem zu Fuss zu erkunden. Ein perfekter Ausgangspunkt dafür ist sicher der Marktplatz. Umrahmt vom historischen Rathaus (dessen Turm man übrigens besteigen kann) und bunten Fachwerkhäusern bildet er das Zentrum der Altstadt. Von hier verlaufen zahllose Gässchen und Pfade in romantische Winkel. Dekorierte Brunnen, kleine Souvenirgeschäfte, schmiedeeiserne Zunftzeichen… auch beim zweiten und dritten Mal durchspazieren, entdeckt man immer wieder Neues.

Mittelalterliches Kriminalmuseum

An solch einem historischen Ort darf es ruhig einmal auch ein Museum sein. Ein über die Stadtgrenzen hinaus bekanntes ist das Mittelalterliche Kriminalmuseum von Rothenburg. Hier werden auf anschauliche Weise 1’000 Jahre Rechtsgeschichte dokumentiert. Der optisch interessanteste Teil ist dabei für viele sicherlich das Kellergewölbe. Hier werden zahlreiche Originalexponate aus der Zeit der Folter und Todesstrafen gezeigt und ihre Verwendung beschrieben.

Käthe Wohlfahrt und das deutsche Weihnachtsmuseum

Beschaulicher geht es ein paar Gassen weiter zu: Hier befindet sich Käthe Wohlfahrt und das deutsche Weihnachtsmuseum. Weihnachten? Ja, und zwar rund ums Jahr! Das kann man hier erleben. Die weltweite bekannte Marke Käthe Wohlfahrt wurde Mitte der Sechzigerjahre gegründet und hat ihren Hauptsitz in Rothenburg. Was als kleines Fachgeschäft für Weihnachtsartikel begann, ist heute ein Millionengeschäft mit Filialen in Deutschland, Frankreich, Belgien und den USA. Dies mag alles etwas komisch und deplatziert klingen (so ging es jedenfalls der Autorin), doch ein Besuch ist auch für Weihnachtsmuffel definitiv ein Erlebnis. Wer das Geschäft betritt – und sei es draussen der schönste Frühlingstag – nach ein paar Schritten durch dieses Weihnachtswunderland, wähnt man sich mitten in der Adventszeit.

Spaziergang mit dem Rothenburger Nachtwächter

Wer die Stadt bei Nacht erkunden möchte, dem sei ein Spaziergang mit dem Rothenburger Nachtwächter ans Herz gelegt. Im stilechten Gewand führt er seine Gäste durch die Stadt und berichtet auf amüsante Art und Weise aus der bewegten Geschichte Rothenburgs. Die Führung findet zwischen März und Januar täglich ab 21:30 Uhr statt. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Die imposante Stadtmauer Rothenburgs ist komplett erhalten und gespickt mit Türmen und Toren. Sie ist über 2 Kilometern überdacht begehbar und bietet immer wieder herrliche Ausblicke auf die Stadt und das Taubertal.
Apropos Taubertal – wer die Umgebung ausserhalb der Stadt erkunden möchte, findet zahlreiche Ausflugsziele und Aktivitäten. Besonders für Radfahrer ist das Taubertal attraktiv. Ein stetig wachsendes Radwegenetz bietet endlose Möglichkeiten für alle Ansprüche.

Das Fingerhutmuseum

Globesession hat das Städtchen Creglingen besucht. Knapp 20 km von Rothenburg entfernt, ist der Ort besonders stolz auf seine Herrgottskirche, genauer gesagt, ihren Marienaltar. Dieser wurde um 1500 vom berühmten Holzschnitzer Tilman Riemenschneider geschaffen und ist Anziehungspunkt für Gläubige und Kunstinteressierte aus aller Welt. Gleich nebenan befindet sich eine weitere, besondere Attraktion von Creglingen: das Fingerhutmuseum. Gegründet von der Goldschmied-Familie Greif werden in der kleinen Ausstellung Fingerhüte und Nähutensilien aus aller Welt und aller Epochen gezeigt. Wer dachte, ein Fingerhut sei einfach eine alte, kleine Nähhilfe für Omas, der wird hier eines Besseren belehrt. Kunstvolle Kreationen aus den unterschiedlichsten Materialien gibt es in den Vitrinen zu bewundern. Glück hat, wer dem Chef höchstpersönlich im kleinen Ausstellungsraum begegnet: Thorvald Greif kennt hier jedes Stück und weiss die spannendsten «Facts und Figures» aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Kulinarisches

Speis und Trank

Die typisch fränkische Küche ist geprägt von währschaften Gerichten, wie «Schäufela» (gebackene Schweineschultern), Sauerbraten oder Karpfen. Die typischen Beilagen sind Klösse sowie Blau- und Sauerkraut.
Zum Essen darf natürlich auch der passende Trank nicht fehlen. Das Frankenland bietet hier zweierlei in grosser Vielfalt und Qualität: Wein und Bier. Nirgendwo sonst findet man eine so grosse Dichte an Brauereien wie in Franken. Der Stadt geographisch am nächsten ist die Landwehr Brauerei, die auch besichtigt werden kann. Anders als im restlichen Bayern spielt in Franken auch der Wein eine wichtige Rolle. Historische Winzerorte, Weingüter, Weinfeste… die Region lebt eine ausgeprägte Weinkultur. Auch in Rothenburg kann man Frankenweine geniessen. Globesession war zu Gast im Weinkeller und Restaurant der «Glocke». Das Weingut der Winzerfamilie Thürauf ist das südlichste Gut Frankens und der Tauber. Neben Klassikern wie Silvaner und Riesling baut die Familie auch historische Rebsorten, wie zum Beispiel Tauberschwarz, an. Die entsprechenden Erzeugnisse werden im Weinkeller der «Glocke» gelagert, im zugehörigen Geschäft verkauft und im Restaurant ausgeschenkt.

Hotel und Weingut Glocke, Plönlein 1, 91541 Rothenburg o.T., glocke-rothenburg.eu

Süsses Gebäck

Geht es um das typische Dessert in Rothenburg kommt man an einer grossen weissen Kugel nicht vorbei: dem Schneeballen. Dieses traditionelle Mürbegebäck wird geformt, in Fett ausgebacken und mit Puderzucker bestäubt. Geschmacklich ist ein Schneeballen etwa vergleichbar mit den Schweizer «Fasnachtsküechli» und bleibt mehrere Wochen frisch. So ist das Gebäck ein sehr beliebtes Mitbringsel und wird in der Stadt an jeder Ecke, in teils auch exotischen Varianten angeboten. Eine Bäckerei, die grossen Wert auf frische Produkte nach traditionellem Rezept legt ist die Bäckerei Striffler. Bereits in der 6. Generation werden die Schneeballen hier täglich in der hauseigenen Backstube gefertigt.

Bäckerei Striffler, Untere Schmiedgasse 1, 91541 Rothenburg o.T., baecker-striffler.de

Veranstaltungen und Themenjahr

Den rund 2 Millionen Gästen, die Rothenburg jährlich besuchen, wird zu all den Sehenswürdigkeiten auch ein prallgefüllter Veranstaltungskalender geboten. Rund ums Jahr finden attraktive Events statt. Egal ob Ausstellungen, Theater, der Reiterlesmarkt oder das Taubertal Openair – hier wird für jeden etwas geboten. Im 2017 befindet sich ausserdem die ganze Region Franken im Themenjahr Renaissance und Reformation. Dies anlässlich von 500 Jahren Reformation und dem grossen Reformator Martin Luther. Somit erwarten den interessierten Gast zahlreiche Sonderausstellungen oder spezielle Veranstaltungen.

Lage und Anreise

Rothenburg befindet sich in Mittelfranken am äussersten Westrande Bayerns und ist mit dem Auto von den Städten Würzburg (45 min), Nürnberg (1 h) und Stuttgart (1,5 h) bequem zu erreichen. Von der Schweiz kommt man – je nach Verkehrslage – in 3,5 bis 4 Autostunden nach Rothenburg. Obwohl die Stadt über einen Bahnhof verfügt, ist die Anreise aus der Schweiz mit mehrmaligem Umsteigen verbunden. Noch ein Wort zur Reisezeit: Wer den Massen ausweichen will, dem sei der Frühling (April) oder der Herbst (September) ans Herz gelegt. Während der Sommermonate und natürlich während der Weihnachtszeit wimmelt es in Rothenburg von Touristen aus aller Welt.

Übernachten

In- und ausserhalb der Stadtmauern Rothenburgs gibt es zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten für jeden Geldbeutel. Dabei handelt es sich mehrheitlich um traditionsreiche Gasthöfe, die oftmals als Familienunternehmen geführt sind. Aufgrund strenger Denkmalschutzauflagen sind die Hotels in rustikalem Landgasthausstil und haben sich ihren ursprünglichen, mittelalterlichen Charakter bewahrt. Doch keine Sorge, für Komfort wie moderne Bäder, WiFi oder Zimmerservice ist natürlich auch hier gesorgt. Wer jedoch schicke Boutiquehotels sucht, wird in Rothenburg jedoch eher nicht fündig.

Globesession war zu Gast im ***Superior Hotel Reichsküchenmeister. Gelegen in mitten der Altstadt bietet der Reichsküchenmeister den perfekten Ausgangspunkt, um die Stadt zu erkunden. Bereits in der sechsten Generation bietet das sympathische Hotel 90 Zimmer, 4 Ferienwohnungen und einen kleinen Spabereich mit Whirlpool und Sauna. Neben dem Hotelbetrieb ist der Reichsküchenmeister eines der besten Wirtshäuser am Platz. Den Gast erwartet eine hervorragende Küche mit typisch fränkischen Gerichten, eine urchige Weinstube und ein sonnenverwöhnter Biergarten.

Hotel Reichsküchenmeister, Kirchplatz 8, 91541 Rothenburg o. T., hotel-reichskuechenmeister-rothenburg.de

Fazit

Rund 2 Millionen Besucher jährlich können nicht irren – und das tun sie auch nicht. Dieser Meinung ist jedenfalls die Autorin. Wer eine kleine Auszeit in einem romantischen, gastlichen und historisch interessanten Städtchen in herrlicher Umgebung sucht, wird in Rothenburg ob der Tauber definitiv fündig!