Ist die Türkei für Ferien genug sicher?

Wie sicher ist eine Reise in die Türkei? Soll man aktuell noch in die Türkei in die Ferien? In unserem «Kontrovers» diskutieren wir eine aktuelle Frage. Unsere Reiseexperten, Oliver Zwahlen Gründer von Weltreiseforum.com und Martin Hoch, Chefredaktor von GlobeSession.com, haben eine konträre Meinung.

PRO – Das spricht dafür

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Oliver Zwahlen

Gründer von Weltreiseforum.com

   

Attentate, Putsch, Bürgerkriegsähnliche Zustände: Wer in den letzten Monaten die Zeitung aufgeschlagen hat, glaubt leicht, dass sich die Türkei mitten im Krieg befindet. Viele Urlauber fragen sich zu Recht, ob sie derzeit noch in die Türkei reisen können.

Bedenken gibt es hauptsächlich aus zwei Gründen: Erstens machen sich viele Türkei-Urlauber Sorgen um ihre persönliche Sicherheit. Tatsächlich haben seit einem Jahr die blutigen Attentate stark zugenommen. Die klassischen Tourismusregionen sind aber mit Ausnahme von Istanbul nicht betroffen. Wer die bekannten Unruheherde meidet, dürfte in der Türkei kaum stärker gefährdet sein als etwa in einer europäischen Grossstadt.

Zweitens haben die fragwürdigen innenpolitischen Zustände bei vielen die Frage aufkommen lassen, ob man mit einem Besuch nicht ein tyrannisches Unrechtsregime unterstützt. Die Medienzensur, die Verhaftungswellen und die Antiterrorgesetze kann und soll man kritisieren. Das ganze Land hingegen zu boykottieren, ist wenig erfolgsversprechend.

Reiseboykotte treffen nämlich die Falschen. Wenn Touristen fernbleiben, leiden vor allem die gewöhnlichen Menschen. Und unter ihnen insbesondere diejenigen, die sich ihren Lebensunterhalt mit dem Fremdenverkehr verdienen. Nachdem die Zahl der ausländischen Besucher stark zurückgegangen ist, haben bereits erste Angestellte ihren Job verloren – und eine hohe Arbeitslosigkeit war noch nie ein guter Nährboden für demokratische Reformen.

Ob man aktuell die Türkei noch besuchen will, das muss jeder mit sich selbst abmachen. Verdient hätte es das Land. Nicht wegen seiner Regierung, sondern wegen seinen Menschen.

KONTRA – Das spricht dagegen

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Martin Hoch

Co-Gründer von GlobeSession

   

Die Türkei macht schwierige Zeiten durch: Terroranschläge, politische Unruhen und ein Putschversuch. Ein weiteres Problem: Der Umgang mit den Ereignissen. Insgesamt sind bereits über 130 türkische Sender und Zeitungen geschlossen worden, rund 150 Medienschaffende befinden sich in Haft (Quelle: NZZ, 1. September 2016). Bis Ende Juli 2016 wurden bereits knapp 70’000 Menschen von der Regierung entlassen oder festgenommen (Quelle: Süddeutsche Zeitung, 28. Juli 2016). Dazu kommt: Eine Bevölkerungsmehrheit, die sich hinter die Regierung stellt und sich vermehrt konservativen Wertvorstellungen zuwendet.

Während Terror und Unruhen eine Fremdeinwirkung darstellen, wird das vorherrschende Unsicherheitsgefühl mitunter durch die Regierung genährt. Eigentlich müsste diese mit Besonnenheit reagieren und für Ruhe sorgen. Etwas vom Schlimmsten für den Tourismus: Eine Regierung, die unberechenbar reagiert und dem Besucher keine Rechtssicherheit vermittelt.

Soll ich in einem solchen Land aktuell meine Ferien verbringen? Ich finde nein. Aus einem einfachen Grund: Es ist nicht zwingend. Für einen Städtetrip kann ich anstatt nach Istanbul genauso nach Oslo oder Siena reisen. Natürlich lauert die Gefahr heutzutage überall. Nur ist das Risiko in Istanbul um einiges höher. Dasselbe gilt für Strandurlaub. In Mauritius oder auf Rügen ist die Wahrscheinlichkeit eines Vorfalls um ein vielfaches geringer.

Ich hoffe aber für die Türkei, dass das Land wieder zur Ruhe kommen darf. Europa braucht im Osten einen starken, verlässlichen Partner und als Feriendestination hat die Türkei viel zu bieten.