Edelweiss Air fliegt als einzige Airline direkt von Zürich nach Rio de Janeiro. Martin Hoch traf den sympathischen Edelweiss CEO Bernd Bauer auf ein Gespräch. Dieser verrät uns seinen Rio-Geheimtipp, wie Edelweiss auf die aktuellen Krisen reagiert und wie er persönlich seine Ferien verbringt.

    GlobeSession: Edelweiss ist mutig – während Brasilien mit wirtschaftlichen Problemen und der Tourismus vor Ort mit dem Zika-Virus kämpft, bieten Sie seit diesem Frühjahr Direktverbindungen von Zürich nach Rio de Janeiro an – wie gut läuft die Verbindung?
    Bernd Bauer: Die Vorbereitungen, um einen Langstreckenflug in den Flugplan zu integrieren, benötigen bis zu zwei Jahren. Damals sah die Situation noch anders aus – das Zika-Virus, wie auch die wirtschaftlichen und politischen Verwerfungen kamen für uns zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Die Monate Mai und Juni liefen schlecht an, die Auslastung blieb unter den Erwartungen. Im Juli und August gingen die Sitzladefaktoren, dank den Olympischen Spielen, hoch.
    Chaeserrugg Erstflug Edelweiss Rio de Janeiro
    Basiert diese Zunahme nicht ausschliesslich darauf, dass offizielle Delegationen und Sportler, Ihre Airline für die Anreise nach Rio nutzen?
    Es ist schon so, offizielle Delegationen und Sportler fliegen mit uns. Beispielsweise die österreichische Delegation. Aber auch viele Privatpersonen nutzen Edelweiss für ihre Reise nach Rio.

    Und sobald die Olympischen Spiele vorbei sind, wird die Strecke wieder eingestellt?
    Der September schaut auch schon ziemlich erfreulich aus. Und wir hoffen, dass sich der Winter gut entwickeln wird. Aber klar: Wir können nur Destinationen anfliegen, bei denen eine Nachfrage besteht.

    Mich beeindruckt die Topographie und die landschaftliche Vielfalt, die Rio de Janeiro bietet: von Stränden, über Berge bis hin zum Urwald.

    Wie fällt eine Entscheidung, ob eine neue Destination angeflogen wird – was sind die Kriterien?
    Da werden die unterschiedlichsten statistischen Daten ausgewertet. Ein wichtiges Kriterium sind Bevölkerungsgruppen: Beispielsweise leben in der Schweiz viele Brasilianer und umgekehrt viele Schweizer in Brasilien. Gleichzeitig analysieren wir die Destination: Wie attraktiv ist sie? Was liegt in der Umgebung? Anhand aller Faktoren wird entschieden, ob die Strecke gewinnbringend betrieben werden kann.

    Was gefällt Ihnen an Rio?
    Mich beeindruckt die Topographie und die landschaftliche Vielfalt, die Rio de Janeiro bietet: von Stränden, über Berge bis hin zum Urwald. Die Stadt und ihre Umgebung bietet fast unlimitierte Möglichkeiten an Aktivitäten. Dies für Alleinreisende, genauso wie für Paare und Familien.

    Habe Sie einen Rio-Geheimtipp für unsere Leser?
    Mich hat das Museu do Amanhã (Museum der Zukunft) begeistert. Der Bau des spanischen Architekten Santiago Calatrava, wie auch das Innenleben und die Ausstellung mit ihren multimedialen Anwendungen.

    Haben Sie sich in Rio sicher gefühlt?
    Ich fühlte mich jederzeit sicher. Egal ob ich alleine oder in einer Gruppe unterwegs war. Nicht zu übersehen, ist die hohe Polizeipräsenz in der Stadt.

    Themawechsel – Ihr Job dürfte durch die aktuellen Ereignisse in Nizza und der Türkei, aber auch wegen den Unsicherheiten in Ländern wie Ägypten nicht einfacher werden?
    Ägypten beschäftigt uns bereits seit längerem. Mit der Syrienkrise kamen durch die Flüchtlingsströme zusätzlich die Türkei und Griechenland in den Fokus. Es ist in den letzten Jahren sicher nicht einfacher geworden.

    Die Schocktoleranz bei den Touristen ist tatsächlich grösser geworden.

    Wie reagieren Sie auf die Vorkommnisse?
    Im Europageschäft sind wir es gewohnt, Kapazitäten anhand der aktuellen Nachfrage zu verlagern.

    Was bedeutet dies konkret?
    Letztes Jahr passten wir unser Ägypten-Programm an: Marsa Alam mussten wir aus dem Flugplan streichen. Die Flugfrequenz für Sharm el-Sheikh und Hurghada reduzierten wir. Doch Hurghada hat sich inzwischen bereits wieder erholt und wir konnten das Angebot wieder hochfahren. Auf den Herbst nehmen wir zudem Sharm el-Sheikh wieder in unseren Flugplan auf.

    Die Schocks wirken demnach nur kurzfristig?
    Die Schocktoleranz bei den Touristen ist tatsächlich grösser geworden. Wir gehen davon aus, dass Ägypten nächsten Winter wieder so gut läuft wie früher.

    Edelweiss Rio de Janeiro Interview Bernd Bauer06

    Und wie werden sich die Türkei-Strecken entwickeln?
    Auch bei den türkischen Destinationen wird die Nachfrage nicht komplett wegbrechen. Auch hier glauben wir an eine Erholung. Ein Unterschied ist aber, dass wegen solcher Ereignisse immer häufiger kurzfristig gebucht wird. Dies wirkt sich negativ auf unsere Erträge aus.

    Was entgegnen Sie Menschen, die durch all diese Unsicherheiten die Lust an Fernreisen verlieren?
    Reisen bildet. Fern der Heimat macht man neue Erfahrungen und kehrt mit schönen Erlebnissen nach Hause. Sei es bei einer Europareise oder auch einer Reise auf einem anderen Kontinent. Im Sommer setzen wir im Langstreckenbereich stark auf die Länder USA und Kanada. Und im Winter auf die Malediven, Mauritius und Thailand.

    Sie setzen demnach auf sichere Länder?
    Als Airline sind wir gefordert, Destinationen anzufliegen, an denen sich die Reisenden wohl fühlen.

    Mallorca soll dieses Jahr hoch im Kurs stehen – eine Destination, die Edelweiss auch anfliegt. Spüren Sie diesen Trend?
    Wir haben dieses Jahr die Kapazitäten auf unserem gesamten Streckennetz ausgebaut. Die Nebensaison war harzig. Doch in der Hauptsaison erreichen wir nun unsere Auslastungsziele – bei Mallorca, aber auch unseren anderen Strecken.

    Trotzdem, welche Destinationen liegen aktuell am meisten im Trend?
    Die grössten Zuwächse haben wir bei den griechischen Inseln. Ein spannender Trend ist zudem unsere Destination Edinburgh – Schottland steht bei den Reisenden hoch im Kurs. Und generell spüren wir eine erhöhte Nachfrage bei unseren Nordeuropa-Strecken.

    Erreichbarkeit ist in meinem Job oberstes Gebot. Zur Entspannung habe ich jeweils meine Laufschuhe mit im Gepäck.

    Und wohin zieht es Sie in den nächsten Ferien?
    Den Sommer verbringen wir als Familie in Italien und im Herbst werden wir Mauritius besuchen.

    Edelweiss Heck

    Was tragen Sie in den Ferien bei sich – ein Buch, um sich zu entspannen oder das Smartphone, um weiterhin erreichbar zu sein?
    Erreichbarkeit ist in meinem Job oberstes Gebot. Zur Entspannung habe ich jeweils meine Laufschuhe mit im Gepäck. Und das Buch «Syrien verstehen» von Gerhard Schweizer.

    Das hört sich nicht nach einem Buch zur Entspannung an?
    Klar bin ich an diesem Thema auch aus beruflichen Gründen interessiert. Als CEO einer Airline ist es von grösster Wichtigkeit, die weltweiten Veränderungen und Zusammenhänge zu verstehen.

    Besten Dank für das Gespräch.