Eine Fahrt auf dem Rhein von Basel nach Frankfurt beflügelt die Fantasie und bietet Gelegenheit auf bequeme Art verschiedene Städte zu erkunden.

Bei strahlendem Sonnenschein, mit kleinem Gepäck und gemischten Gefühlen bin ich als bekennende Landratte, unterwegs zum Anlegeplatz der «MS Thurgau Silence», dem erst kürzlich in Betrieb genommenen Flusskreuzfahrtschiff. Eigentlich hatte ich mir eine Kreuzfahrt auf dem Rhein schon lange gewünscht. Etwas skeptisch bin ich trotzdem, denn ich habe einige Vorurteile im Kopf: Seniorenreise, Langeweile, gefangen im schwimmenden Hotel …

Gedankenverloren trällere ich «eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt die ist schön …» vor mich hin. Der Empfang ist herzlich und ich beziehe meine komfortabel und stilvoll eingerichtete Kabine mit Französischem Balkon auf dem Oberdeck. Kurz darauf heisst es «Leinen los». Das Schiff bewegt sich träge vom Ufer weg in die Mitte des Rheins. Jetzt gilt es ernst. Auf der Uferpromenade stehen Menschen, die das Manöver neugierig verfolgen. Kleine Kinder winken freudig. Ich winke zurück, strahle und denke: Wie im Film, besser hätte man es nicht inszenieren können.

Eine Schleusenerfahrungen

Das Schiff nimmt Fahrt auf. Wir gleiten an Industriegebäuden und dem Dreiländereck Schweiz, Deutschland Frankreich vorbei. Nach ungefähr vier Kilometern verlässt das Schiff den Rhein, der hier die deutsch- französische Grenze bildet und biegt in ruhiger Fahrt in den Rhein-Seitenkanal «Grand Canal d’Alsace» ein, der auf französischem Gebiet verläuft. Wir passieren mehrere Schleusen. Mich beeindruckt die Schleusentechnik, wenn sich das Schiff um durchschnittlich zehn Meter langsam senkt, die Schleusenwände zum Greifen nah sind, sich dann die Tore öffnen und den Blick auf die dahinter liegende Landschaft frei geben. Beim 7-gängigen Galadinner am Abend geniesse ich köstliche Speisen und lerne nette Tischnachbarn kennen. Bald unterhalten wir uns angeregt.

Berühmte Sehenswürdigkeiten

Der Kaiserdom in Speyer, den wir auf einem Landspaziergang auf eigene Faust besuchen, ist imposant. Marianne meint, wir sollten die Akustik testen. Zögerlich überwinde ich meine Hemmungen und stimme «Donna Nobis» an, obwohl ich überzeugt bin, nicht singen zu können. Es tönt herrlich. Am Nachmittag unternehmen wir einen geführten Ausflug nach Heidelberg, wo die mächtige Schlossruine über der Altstadt thront. «Wärst du doch in Heidelberg geblieben, schöner Playboy …»

Tanzende Lichter beflügeln die Fantasie

Ich geniesse die Annehmlichkeiten der Flussschifffahrt, das gemütliche Unterweg-Sein und das feine Essen. Nachts kann ich jedoch kaum schlafen. Gespannt verfolge ich die Lichtreflexe, die sich tanzend auf dem Wasser spiegeln. Frachtschiffe fahren vorbei. Im fahlen Mondlicht ist das Ufer schemenhaft zu erkennen. Wo sind wir? Ich öffne die Balkontüre und strecke die Nase in den Fahrtwind: «Wir sind durch die Welt gefahren, vom Meer bis zum Alpenschnee und haben noch Wind in den Haaren …!» Leicht irritiert wundere ich mich, wo ich all diese Lieder aufgeschnappt habe. Ich entdecke, dass das Schiff scheinbar angelegt hat. Die Höhe zum Festland beträgt nur ungefähr 1,5 Meter. Diese Entdeckung und die tanzenden Lichter beflügeln meine Fantasie. Für einen kurzen Augenblick blitzt ein verwegener Gedanke in mir auf. Ich könnte über das Geländer klettern und in der Dunkelheit verschwinden. Das gäbe Stoff für einen wunderbaren Roman mit dem Titel «Die Frau, die in der Dunkelheit verschwand». Ich fröstle an der offenen Balkontür, es ist empfindlich kühl. Das warme, weiche Bett lockt. Ich kuschle mich in die warme Daunendecke und schlafe sofort ein.

Tolle Aussicht auf die Skyline

Am Morgen taucht während des reichhaltigen Frühstücks, die Skyline von Frankfurt auf. Ich geniesse die Fahrt vorbei am Museumsviertel auf der einen, den Wolkenkratzern auf der anderen Seite, räkle mich im Liegestuhl auf dem Sonnendeck, den Fotoapparat immer griffbereit. Ich freue mich auf den Landgang mit meinen neuen Bekannten, die ich am ersten Abend kennengelernt habe.

Flusskreuzfahrt – mein Fazit

Eine Flusskreuzfahrt eignet sich hervorragend für Landratten, denn das Ufer ist immer in Sichtweite. Man kann interessante Bekanntschaften schliessen. Der Aufenthalt auf dem Schiff ist total entschleunigend, bietet Zeit für Musse und Erholung, und man hat die Möglichkeit auf bequeme Art und Weise die Welt zu entdecken.

Die Reise wurde von Thurgau Travel unterstützt
www.thurgautravel.ch