Perfektion trifft auf Charme

Hoteldirektor Dominic Bachofen schreitet durch die Bel Etage, öffnet die Türe zum Empire Ballroom. Er kennt die Wirkung, die diese Räumlichkeit auf Gäste ausübt; mit seinen hohen Decken, schweren Vorhängen, Kronleuchtern und grossen Fenstern. Während der Gast sich darauf konzentriert, die Kinnlade wieder zurück in die Ausgangsposition zu bringen, von all den Leuchten und Kerzen geblendet ist, da hält Bachofen inne. Er hebt den Zeigefinger und sagt: «Da muss eine Glühbirne ersetzt werden». Verwirrt damit den Gast, der nun ebenfalls seinen Blick über die 18 Wandleuchten und 54 Glühbirnen schweifen lässt. Und nach einigen Sekunden die dunkle Stelle erblickt. Diese Präzision des Hoteldirektors, der sich vom einfachen Hotelangestellten zum Direktor hochgearbeitet und seine Meriten weltweit erworben hat, zieht sich durch das 1913 errichtete Haus.

2007, nach einer Komplettrenovation unter der Federführung des Designers Carlo Rampazzi, wiedereröffnet, erscheint das Haus heute noch im selben frisch gebügelten Kleid – als hätte das All-Suits-Hotel die Tore erst vor wenigen Tagen wieder geöffnet.
Knapp vier Monate im Jahr heisst das Winterhotel seine Gäste willkommen. «Wir bedienen die Welt», sagt der Direktor. Auf hohem Niveau. Zu satten Preisen. Da muss alles stimmen: Das Haus wird auf jede Saison hin neu herausgeputzt und jeder noch so kleine Lackschaden behoben. Aber nicht nur Perfektion ist ihm wichtig: «Carlo Rampazzi erhielt von uns den Auftrag, dem Hotel vom ersten Tag an eine Seele zu geben.»

Carlton StMoritz Logo

Carlton Hotel St. Moritz

Via Johannes Badrutt 11
7500 St. Moritz
Schweiz

carlton-stmoritz.ch

Unser Lieblingsplatz im Hotel?

Die Wellnesszone des Hotels erstreckt sich auf 1’200 m2 über zwei Stockwerke. Hier befindet sich unser Lieblingsplatz: gemütliche Sitznischen, eingebettet in die übergrossen Fensterrahmen. Nach einem Saunagang und einer Schwitzkur im Dampfbad der perfekte Ort, um sich einem Detox-Wasser und Hochglanzmagazin zu widmen. Mit der Vorfreude auf ein Bad im beheizten Aussenpool des Hotels oder einer der verschiedensten Behandlungen: Massagen von Indien bis Hawaii, von Abhyanga bis Lomi Lomi Nui.

Der gemütlichste Ort im Hotel?

Auf der Bel Etage befindet sich die Lounge: Grossräumig angelegt, mit wertigen Möbeln, Stuckaturen mit Lilien und herabblickenden Engeln und Wandleuchten, die man in derselben Form auch in der St. Petersburger Eremitage findet. Der Zar Nicolaj II, Spross der berühmten Romanoff Dynastie, lässt grüssen – auch wenn sein Aufenthalt im Carlton nur eine Legende ist, so weht doch sein Geist durch das Haus. Des Zaren Doppeladler ziert das Logo und Bilder seines Schmucks die Hotelgänge. In der Lounge befinden sich zwei Kamine mit jeweils einer Sitzecke schwerer Ledersessel. Hier lässt sich gediegen Nachmittagstee trinken oder abends, nach einem Streifzug durchs winterliche Engadin, am knisternden Feuer den Abend in die Nacht verlängern. Am besten mit einem Drink von der Bar, die sich ebenfalls auf der Bel Etage befindet.

Was bieten die Zimmer

Das Hotel ist ein sogenanntes All-Suits-Hotel. Das heisst: Im Carlton St. Moritz gibt es nur Suiten. Angefangen bei einer bereits grosszügigen 35 m2 Junior Suite bis zur Penthouse Suite mit 386 m2, der grössten Suite von ganz St. Moritz. Hoteldirektor Bachofen sagt: «Geräumige Zimmer sind der Luxus von morgen.» Wenn man sich schon den Luxus Zeit leiste, möchte der Kunde heutzutage auch Luft zum Atmen. «Und bei uns haben alle Zimmer Sicht auf den St. Moritzersee.»

Das Interieur besticht durch hohe Wertigkeit. Dabei spielte Rampazzi mit den unterschiedlichsten Elementen und Stilen: Lampen aus Muranoglas, Louis XVI Möbel, Thai Dekors, Ottomanen oder facettierte Fliesen aus Italien, die an die Pariser-Métro erinnern. Er beherrscht dieses Spiel derart perfekt, dass die unterschiedlichsten Formen perfekt miteinander harmonieren. Dabei setzt er bei Tapeten auf Struktur und Farbnuancen. Dadurch erhalten die Wände Charakter und absorbieren grelles Sonnenlicht. Denn die Sonne scheint den ganzen Tag in Richtung Hotel. Im Zimmerpreis inklusive sind ein 100-Franken-Gutschein für die Restaurants des Hauses und die Minibar im Zimmer.

Wie schaut es mit der Kulinarik aus?

Das Hotel bietet zwei Restaurants. Das Restaurant Romanoff setzt auf Schweizer Kost – vom Engadiner Rinderconsommé mit Rindstatar und Sherry bis hin zu Kalbfleisch aus dem Val Müstair mit Rösti. «Unsere von weither angereisten Gäste möchten authentisches aus der Schweiz kosten», sagt Bachofen. Im Romanoff wird auch das reichhaltige Frühstück serviert: vor grossen Fenstern und mit Ausblick auf die umliegende Bergwelt.

Spannend ist auch das italienische Ristorante im Haus: Das «Da Vittorio St. Moritz» ist ein Ableger des «Da Vittorio» im italienischen Brusaporto, das unlängst von «La Liste 2017» zu den weltweit zehn besten Restaurants gekürt wurde. Die Cerea-Brüder setzen auf ehrliche Kost. Und diese alte Familientradition trifft in diesen Tagen einen Nerv der Zeit: Der Gast möchte wieder den Geschmack des Produktes wahrnehmen, sich nicht von allerlei Nebeneffekten und komplizierten Kreationen verwirren lassen. Im Zentrum stehen hochwertige Produkte und Kochkunst. Denn jeder Hobbykoch weiss: Ein puristisches Gericht schmackhaft auf den Tisch zu zaubern, ist die grösste Kunst.
Eine weitere Qualität: Die Kost ist leicht. Auch nach einem Mehrgänger fühlt man sich wohl satt, aber nicht überessen. Und denkt noch lange an die Gnocco mit weissem Trüffel, das Shabu Shabu von Langusten, die Hauspasta Paccheri da Vittorio, die nach einem 50-jährigen Familienrezept zubereitet werden. Wie auch an den top Service. Das Personal ist hier das Tüpfchen auf dem i. Sie schmecken das Essen mit einer Prise Humor ab.

Liegt das Hotel gut?

Die Lage könnte nicht besser sein: Es liegt wenige Gehminuten ausserhalb des Zentrums, mit Blick auf den St. Moritzersee und ist ganztags sonnenausgerichtet. Letzteres zieht an sonnigen Tagen auch auswärtige Gäste auf die allseits beliebte Sonnenterrasse des Hauses. Und überhaupt: Der Limousinenservice mit dem Bentley Flying Spurs V8 mit 507 PS und Allradantrieb ist im Zimmerpreis inklusive.

Wem würden wir das Hotel Carlton St. Moritz empfehlen?

Voraussetzung ist ein dickes Portemonnaie. Davon abgesehen: Menschen die Luxus und Qualität schätzen und Diskretion abseits von Glitzer und Glamour suchen.

Was könnte das Hotel noch verbessern?

Der Fitnessraum wurde in einen Raum ohne Fenster verbannt. Schade eigentlich, denn die Aussicht auf die Oberengadiner Bergwelt wäre für ein Workout Motivation pur. Bei den Zimmern stimmt fast alles – einige wenige Punkte empfanden wir als störend: Abends, bei der Rückkehr ins Zimmer, lief jeweils ein Radiosender. Beispielsweise eine Gesprächssendung zum Thema Depressionen. Stimmungsvolle Musik hätte besser gepasst. Bei der Nespresso-Maschine, die in einem Schrank steht, wäre eine Lichtquelle oberhalb der Maschine gut – es war jeweils schwierig die richtige Farbe der Kapseln zu finden. Ausserdem war die Temperaturregelung im Zimmer nicht ideal: Auch wenn man diese auf ein Minimum einstellte, war das Zimmer nachts noch ziemlich warm.

Unsere Bewertung
top ServiceEinmalige AussichtSchickes InterieurGemütliche Bel-EtageAngenehmes Raumgefühl
Temperaturregler in Zimmern
4.6Purer Luxus
Freundlichkeit
Zimmer
Sauberkeit
Lage
Service
Frühstück
Preis/Leistung