Ferien auf der Alp Rona im Prättigau

Ferien auf der Alp Rona Praettigau -  01Der Duvettbezug ist rot-weiss-karriert. Die Wände mit Holz getäfert. Ein Schrank, zwei Einzelbetten und ein Nachttisch mit Leuchte gehören zum Mobiliar. So hause ich hier auf der Alp Rona – oberhalb von Furna im Prättigau. Der hiesige Senn, Hans Erhard, sagt: «Diese Alp ist wie ein Hotel.» Es ist so, die Alp Rona verfügt über einen gewissen Komfort: eine Kaffeemaschine, Heizung, Warmwasser und ein kleines Beizli für Wanderer. 2005 nahm man die Alp in Betrieb. Sie gehört zu den moderneren der Gegend. Mit der Alp Rona wurden drei Alpbetriebe zusammengelegt – die Alp Wiesli, die Alp Büdemji und die Alp Nüü Säss.
Hans Erhard arbeitete zuvor in der Alp Wiesli. Der 58-jährige kennt noch das urchige, einfache Alpleben von anno dazumal; geht er doch seit seinem 16. Lebensjahr zur Alp. Und die Abgeschiedenheit gefällt ihm: «Ich habe lieber keine, als zu viele Menschen um mich». Trotzdem ist er ein geselliger und angenehmer Gesprächspartner.

Mittendrin statt nur dabei – Älpler auf Zeit

Als ich in Furna mit dem Postauto nach einer steilen, kurvenreichen Fahrt ankomme, empfängt mich Lieni Bärtsch. Der Alpmeister der Alp Rona. Obwohl ich selber im Bündnerland wohne, fällt gleich auf, Prättigauer sprechen einen knorrigen Dialekt. Man muss gut hinhören. Zusammen fahren wir zur Alp. Diese sei genossenschaftlich organisiert, erklärt mir Bärtsch. Neun Bauern aus Furna würden ihre Kühe auf der Alp abgeben, insgesamt 77. Dazu kommt noch ein Stier und 30 Schweine. Bärtsch selber wohnt nicht auf der Alp – die tägliche Arbeit verrichten Pius und Doris Reichmuth, sowie der Senn Hans Erhard.

Der Grund meines Alpbesuchs ist ein neues Angebot, das Graubünden Ferien in Zusammenarbeit mit dem Bündner Älplerverein seit diesem Sommer anbietet. Es nennt sich «Älpler auf Zeit». Hier sollen Ruhesuchende die Hektik hinter sich lassen – zwei Nächte auf einer Alp übernachten, mit den Älplern die Mahlzeiten einnehmen und deren Alltag mitverfolgen. Dem «Chäser» Hans Erhard über die Schultern schauen und die Älpler Pius und Doris Reichmuth beim Melken beobachten. Man darf auch mitarbeiten. Muss aber nicht.
Als Alternative bietet sich tagsüber wandern an. Ausgeschilderte Wege führen an der Alp vorbei. Für einen 360-Grad-Rundumblick auf die Bergwelt muss man nur 5 Minuten den Hügel hochgehen. Das Panorama ist beeindruckend: Säntis, Churfirsten, Pizol, Calanda, Piz Fess, aber auch Schesaplana und das Schweizer Tor sind von hier aus zu sehen.

Auf der Alp wird hart gearbeitet

«Wir produzieren jeden Sommer ungefähr 1’800 Laib Käse», sagt Erhard. Hergestellt werden Alpkäse, Mutschli und Zigger. Dazu kommen etwa 1,5 Tonnen Butter. Eine Arbeit, die von den Älplern vollen Einsatz abverlangt. «Wir stehen um 3.30 Uhr auf», sagt Pius Reichmuth. Als erstes werden die Kühe zusammengetrieben und von der Weide zum Melkstand gebracht. «Das Melken dauert etwa zwei Stunden», sagt Doris Reichmuth. Sie packt genauso an. Um zwölf Uhr beim Mittagessen haben die drei bereits einen regulären Arbeitstag von acht Stunden hinter sich. Feierabend ist deswegen noch lange nicht. Nach dem Mittagsschlaf geht es weiter: Käse behandeln, Weiden umzäunen, wieder die Kühe holen und erneut melken – bis um 18.00 Uhr. Schliesslich wird noch während einer Stunde der Hof gereinigt. Teils mit Hochdruckreiniger. Die Alp ist stets gut gepflegt.

Nach einem feinen Abendessen geht es schliesslich zu Bett. «Ja, wir leben hier für die Arbeit», sagt Reichmuth, der 35 Jahre lang einen eigenen Bauernhof führte und als LKW-Fahrer arbeitete.
Als Gast reicht es um 8.00 Uhr zum Frühstück zu erscheinen. Mein Tipp: Stehen Sie trotzdem spätestens um 6.00 Uhr auch auf – die Sonnenaufgangsstimmung hier auf der Alp ist traumhaft. Und abends, wenn die Älpler bereits schlafen, ist es draussen gemütlich – bei Bier, Wein und Sternenhimmel.

Deshalb lohnen sich Ferien auf der Alp

Wer Abgeschiedenheit und Ruhe sucht, ist hier richtig. Mir gefiel der Einblick in einen Alpbetrieb – zu sehen was und wie hier gearbeitet wird. Und, dass ich lauter Fragen stellen durfte. Gleichzeitig genoss ich es die Wahl zu haben, ob ich mit anpacken oder meine Freizeit lieber frei gestalten möchte. Positiv überrascht hat mich ausserdem, wie schnell man sich als Teil der Alp fühlt. Hier ein Dankeschön an die Älpler: Ihr seid hervorragende Gastgeber und das, obwohl die Arbeit richtigerweise immer an erster Stelle steht.