Unsere 10 Tipps für eine Reise nach München

Text Linda Leitner
Fährt man nach München, geht es um die Wurst. Darf man München bierernst nehmen? Das ist jetzt die Frage. Fest steht: In Bayern wird ziemlich sicher mehr Bier getrunken als anderswo in Deutschland. Das mag am Oktoberfest liegen oder auch einfach daran, dass der Münchner ein geselliger Mensch ist. Und sehr fröhlich, weil er in einer ganz wunderbaren, grünen und prächtigen Stadt wohnen darf. Manches mag nun schon angedeutet worden sein, dennoch: Hier 10 Gründe warum man unbedingt nach München sollte. Dorthin, wo so manch feuchter Traum wahr wird.


München

1 | In München darf man immer trinken

Einer der grössten Vorteile der bayerischen Landeshauptsadt: Bierkonsum wird in jeglicher Form jederzeit geduldet, wenn nicht sogar gewünscht. Wo Bier andernorts als unweiblich gilt, wird die Frau hier schon früh mit dem Gerstensaft in Verbindung gebracht. Zur Gründungszeit der Stadt, anno 1158, war Bierbrauen reine Frauensache. Ihre Aussteuer war der Bierkessel, eine gute Hausfrau erkannte man an ihrem Bier. Welcher Mann wünscht sich das heute nicht?
Biertrinken beschränkt sich des weiteren keineswegs auf eine bestimmte Tages-, oder wie manche gar meinen, Nachtzeit. Nein, in München beginnt der Tag mit Weissbier. Beziehungsweise mit einer Weisswurst und zu der gehört unweigerlich das Bier, genauso wie die Brezn und der süsse Senf. Ein traditionelles Weisswurstfrühstück in hippem Ambiente mit samtenem Flohmarkt-Chic und durchaus traditionellem Namen gibts im «Trachtenvogel» im Szeneviertel Glockenbach.
Wer während oder nach einer durchzechten Nacht dagegen Hunger bekommt und einen anständigen Schlummertrunk dazu möchte, der schaut bei den Jungs von «Bazi`s Schlemmer Kucherl» vorbei. Die haben am Wochenende bis um fünf auf und geben einem den besten Schweinsbraten der Stadt mit Knödel und Blaukraut in der Bazi Box mit auf den Heimweg. Ein Bazi ist übrigens ein Lausbub.

Essen
Trachtenvogel, Reichenbachstraße 47, 80469 München, trachtenvogel.de
Bazi`s Schlemmerkucherl, Müllerstraße 43, 80469 München

2 | Bier ist allgegenwärtig

Ja, am Bier kommt man in München nicht vorbei. Und das nicht nur wegen der Wiesn. Dieses Jahr aber nimmt der Bierwahnsinn ganz neue Dimensionen an: Man feiert 500 Jahre bayerisches Reinheitsgebot. Ihm haben wir es zu verdanken, dass wir nicht an gepanschtem Bier sterben und es nur noch aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser bestehen darf. Vom 22.-24. Juli feiert München diesen Umstand mit einem Festival, das die ganze Stadt einnimmt. Alle ziehen sie mit. Unter anderem zeigt auch das Jüdische Museum (ein architektonisches Meisterwerk, um dies nicht unerwähnt zu lassen) ab April eine Austellung zum Thema Jüdische Braugeschichten. Hätten sie gewusst, dass im heutigen Israel eine kreative Craftbeer-Szene brodelt? So wird das Reinheitsgebot zum schönen Anlass, Craft Breweries aus Deutschland mit denen aus Israel zu kreuzen. Das, was dabei herauskommt, ist ein «Collaboration Brew» der CREW Republic aus München und des Herzl Beer Workshops aus Jerusalem, das dann im Café des Jüdischen Museums degustiert werden darf. Prost!

Festival 500 Jahre Bayerisches Reinheitsgebot, 500jahre-reinheitsgebot.com
Kultur Jüdisches Museum, Sankt-Jakobs-Platz 16, 80331 München, juedisches-museum-muenchen.de

3 | Biergärten

Der Münchner geniesst sein Bier gern an der frischen Luft. Vielleicht weil dann der Kater nicht ganz so gross ist. Vielleicht aber auch weil Biergärten einfach etwas unglaublich schönes sind. Sie sind quasi ein grosser bestuhlter Picknickplatz, auf dem Bier ausgeschenkt wird. Denn hier darf man, im Gegensatz zu allen anderen Restaurants, sein Essen selbst mitbringen, ohne dafür gerügt zu werden. Das hat etwas sehr friedliches. Und im Biergarten am Viktuelienmarkt, Münchens berühmtestem Marktplatz, sogar etwas kreatives. Die internationale Auswahl an Gemüse, Obst, Käse und Fleisch ist riesig – sich da die perfekte Brotzeit an den verschiedensten Ständen zusammen zu kaufen, kann dauern. Das Bier danach im Herzen Münchens schmeckt umso besser.
Ein ganz besonderes Flair hat auch der Biergarten am Chinesischen Turm. Das mag nun kein Insidertipp sein, aber mitten im grössten Stadtpark der Welt, dem englischen Garten, spielt die Musik. Und zwar wortwörtlich. Die Blasmusikkapelle gibt in regelmässigen Abständen echtes bayerisches Kulturgut zum Besten. Da fehlt nut noch ein Prosit der Gemütlichkeit. Wer was besonderes erleben will, der steht ganz früh auf und besucht dort im Juli den traditionellen Kocherlball. Der Name verrät es: Im 19. Jahrhundert war er ein Treffen der Hausangestellten, die sich früh morgens zum Tanzen verabredet haben. Um den besonderen Tanz zu lernen, werden im Vorfeld sogar Tanzkurse angeboten. Um sechs Uhr morgens gehts los, man sollte aber früher da sein. Und so tanzt man ganz altertümlich in den Sonnenaufgang.

Biergärten
Viktualienmarkt, Viktualienmarkt 3, 80331 München, viktualienmarkt-muenchen.de
Chinesischer Turm, Englischer Garten 3, 80538 München, chinaturm.de

4 | In Stein geschüttet

Ja, in Bayern trinkt man aus grossen Gefässen. In Massen trinken gewinnt hier eine ganz neue Bedeutung. Alle kennen die grossen Glaskrüge vom Oktoberfest, doch ursprünglich trank man aus Steinkrügen. Der Hygiene halber musste man das allerdings wieder verwerfen. Dennoch findet man sie noch.
Wer abseits der grossen Hallen gemütlich und ein bisschen trashy unter chinesischen Lampions aus ihnen schlürfen möchte, der begebe sich in die Bar «Zum Wolf». Klingt paradox, ist aber ziemlich cool.
Kaufen lassen sich die Schönsten und Traditionellsten im Hofbräuhaus. In der Brauerei der Könige serviert man eines der ältesten Biere Münchens zwar im Glas, die Stammgäste aber trinken nach wie vor aus dem Steinkrug. Allerdings aus ihrem eigenen. Der kann in einem kleinen Nebenraum sicher hinter Schloss und Riegel verwahrt werden. So lässt sich dort ein kleines Kruggefängnis besichtigen. Jeder Krug mit dickem Vorhängeschloss gesichert. Bei dem Stammtisch sollte einer Mitglied werden…

Bar Zum Wolf, Pestalozzistraße 22, 80469 München, zumwolf.com
Brauerei Hofbräuhaus München, Platzl 9, 80331 München, hofbraeuhaus.de

5 | Alkoholische Hipsterszene

Sechs grosse Brauereien gibt es in München, darunter das bereits erwähnte Hofbräuhaus, das Bier der Könige, und Augustiner, das nach wie vor im Fass gebraut wird. Doch abseits des Mainstreams tut sich so einiges. Man könnte fast von einer Künstlerszene sprechen, so kreativ gehen die Münchner Craft Beerbrauer ans Werk. Die nämlich experimentieren mit ungewöhnlichen Hopfen- und Malzmischungen. Bei den bereits erwähnten Jungs von «CREW Republic» kommt da dann ein «Drunken Sailor», «Easy Munich» oder «Detox» raus, der Publikumsliebling der Giesinger Brauerei ist die «Giesinger Erhellung». Die Brauerei Giesing lässt sich sogar besichtigen. Im Braustüberl kann das Bier im Anschluss probiert und eine himmlische Brotzeit mit «Obazdn» (Bayrische Käsespezialität) und Schmalz verzehrt werden. Nebenan kann man es kaufen.
Aber auch die Gin-Brauer lassen sich in München nicht lumpen. So strebt «The Duke Gin» mit seiner Rezeptur aus Ingwer, Lavendelblüte und Zimt ganz klar die bayerische Landesherrschaft an. Lohnt sich definitiv als Mitbringsel.

Brauereien
CREW Rebuplic, crewrepublic.de
Giesinger Bräu, Martin-Luther-Straße 2, 81539 München, giesinger-braeu.de
The Duke – Munich Dry Gin, theduke-gin.de

6 | Bavarian Couture

Ein Dirndl im Dirndl, was gibt es Schöneres. Ein schönes grosses Bier vielleicht – am schönen grossen… sagen wir Holz vor der Hütten. Wer zum Dirndl noch die Münchner Schickeria und deren Vertreter live erleben will, der holt sein Dirndl bei «CE Design» am Marienplatz. Da nämlich hat Fussballergattin und Dramaqueen Claudia Effenberg (Bayern-Spielerfrau, der Traum einer jeder Münchnerin – oder Zuagroastn) ihr Atelier. Wenn man Glück hat, sitzt sie sogar selbst im Laden. Die Designs sind traditionell verkitscht, so wie es die moderne Oktoberfestträgerin mag.
Etwas aussergewöhnlichere Tracht schneidert man dagegen beim kamerunischen Label «Noh Nee». Die Schnitte bleiben bayerisch traditionell, die satte Farbenpracht aber stammt aus Afrika.
Und wer das ganze total affig findet, der sendet die Message der bayerischen Verbundenheit über plakative Prints auf der Brust. So prangen von den Shirts des Münchner Labels «FYFY» Sprüche wie «What happens in the Biergarten stays in the Biergarten», die Buam und Mädels von «IVXO» propagieren auf ihren Hoodies «Schmusn warad jetzt schee». Recht hams mit ihrer feschen Fashion.

Mode
CE Design, Thalkirchner Str. 58, 80337 München
Noh Nee Dirndl, Hans-Sachs-Straße 2, 80469 München, nohnee.com
FYFY, Kantstraße 13, 80807 München, fy-fy.com
IVXO, ivxo.de

7 | Restaurants mit Clubs

Bier und Essen sind zwei Dinge, die träge machen? Böses Vorurteil! Denn wer in diesen Lokalen gespeist hat, möchte lange nicht mehr heim. Da juckts schnell im Tanzbein, weil neben grossartiger Küche das Personal ganz entzückend ist. Zum Glück muss man zur Entlastung dessen lediglich eine Treppe rauf oder runter und schon steht man im hauseigenen Club. Im stylischen Kismet gibt es Mezze to die for, Kellner zum Brüllen und in der Bar drüber Cocktails zum darin ertrinken. Wer Kräuter im Getränk mag, der muss da hin.
Die Helene dagegen ist der neue In-Spot der Stadt. Hier hängt die Schickeria ab, Modezeitschriften empfehlen den dazugehörigen Club in einer Tour und die arabische Vorspeisenplatte ist gigantisch, die Currywurst aber auch. Hier gibts für jeden was. Auch super Moscow Mule.
Zünftiger gehts in der Spezlwirtschaft zu. Hier kann man super Schnitzel essen und mit seinen Spezln eine Runde Bier nach der anderen kippen. Die R`n`B- und Hip Hop-Beats machen zu späterer Stunde Lust auf mehr. Die wird defintiv im Crux, dem Club ein Stockwerk tiefer, befriedigt. Ziemlich praktisch das Ganze: In coolstem Ambiente Vortrinken, sich nebenbei ne anständige Grundlage schaffen und dann im Fussumdrehen schon auf der Tanzfläche stehen.

Club
Kismet, Löwengrube 10, 80333 München, kismet.cc
Helene, Occamstraße 5, 80802 München, helene-muenchen.de
Spezlwirtschaft, Ledererstraße 3, 80331 München, spezlwirtschaft.me

8 | Oide Wiesn

Klar, München ohne Oktoberfest ist wie Oktoberfest ohne Ausnüchterungswiese. Beziehungsweise ohne die Betrunkenen, die den Hang der Ausnüchterungswiese hinunterkugeln. Die Wiesn steht inzwischen leider oft für Exzess und Schlager, zu dem schwitzend auf der Bierbank getanzt wird.
2010 aber entstand im Südteil des Festgeländes der Theresienwiese ein abgetrenntes Areal, in dem der traditionsbewusste Bayer durchatmen kann. Anlässlich der Jubiläumsfeier «200 Jahre Oktoberfest» im Jahr 2010 gab es sie zum ersten Mal: Die Oide Wiesn. Die bietet noch echte nostalgische Volksfestattraktionen, Trachten, die nicht vom Discounter oder im Internet bestellt wurden, Pferderennen nach dem Vorbild von 1810, Volksmusik ohne Gröhlen und vor allem Festzelte, in denen Gemütlichkeit und bayrisches Brauchtum noch gepflegt werden.

9 | Wasserqualität München

So feucht und fröhlich Bier auch ist, so ist es nicht das einzige was die Stadt München ausmacht. Da ist zum Beispiel auch die hervorragende Wasserqualität. Und der Eisbach! Der nämlich schlängelt sich reisserisch durch den Englischen Garten und lädt nicht nur zum Spazieren entlang seines Ufers, sondern auch zum Treiben darin ein. Wer ganz hart drauf ist, der surft auf der künstlichen Welle nahe des «Haus der Kunst». Die Coolen reiten sie, die Groupies stehen auf der Brücke darüber. Jack Johnson war auch schon drauf. Also auf der Welle natürlich.
Was den Spaziergang am Eisbach noch versüsst, ist ein kleiner, kalter Snack. Grossartigen Frozen Yoghurt gibts bei «I love Leo» gleich am Eingang des Parks an der Uni, die aussergewöhnlichsten Sorten explodieren bei «Ballabeni» gegenüber vom Museum Brandhorst im Mund. Die Schlange ist meistens verdammt lang. Eventuell, weil man pro Sorte, die man bestellt, eine andere probieren darf. Oder einfach, weil Kreationen wie Zitrone-Basilikum total lecker sind.

Surf Welle, Prinzregentenstraße, 80538 München, eisbachwelle.de
Frozen Yogurt I love Leo, Ecke Kaulbachstraße / Veterinärstraße, 80539 München, iloveleo.de
Eiscrème Ballabeni, Theresienstraße 46, 80333 München, ballabeni.de

10 | Sachen, die Beine machen

Wer einen Städtetrip macht, der muss viel trinken. Nicht nur Bier und Wasser, sondern auch das was grad total in, vor allem morgens unabdingbar und totaler Energybooster ist. Und das ist: Klar, Kaffee. Am Marienplatz steht da das Delikatessenhaus «Dallmayr», das man vor allem durch seine erlesenen Bohnen kennt. Die Kaffeerösterei hat hier aber einen Ladenschlauch geschaffen, bei dem man aus dem Staunen nicht herauskommt. Diese Gerüche! All diese Köstlichkeiten! Ein wahres Erlebnis.
Ein Haus weiter, sagen wir fast gegenüber, versteckt sich ein Highlight für den modernen Menschen. Das «Fruchtikuss» sieht unscheinbar und nicht sonderlich einladend aus. Eher wie eine Bude als irgendwas anderes. Doch hier gibt es einen Smoothie, der überzeugt. Und zwar mit grüner Paprika. Was komisch klingt, ist im frischgepressten «Wundergrün» zusammen mit Spinat, Ingwer und Apfel eine äusserst positive Überraschung. Und man kann im Anschluss direkt in die Kaufingerstrasse spurten und mit neuem Elan shoppen.
Der Hipster dagegen geht auf nen Green Smoothie aber woanders hin. Nee danke? Falsch! «Super danke» heisst der angesagte Saftladen, in dem man organische Flüssigkeiten aller Art bekommt. Acai Super Bowls natürlich auch. Super Food! Super danke! Eben.

Kaffee Dallmayr, Dienerstraße 14, 80331 München, dallmayr.de/delikatessenhaus
Smoothie Fruchtikuss Marienplatz 8, 80331 München
Saft Super Danke, Türkenstraße 66, 80799 München, superdanke.com

 
Für Euch in München unterwegs

Linda Leitner PortraitLinda Leitner (30)
Redakteurin SI Style Weekly

Die deutsche Modejournalistin mag so ziemlich alles, was man in irgendeiner Form konsumieren kann: Sei es gutes Essen, schöne Kleider, Wein, der albern macht oder strahlenden Sonnenschein am See – Und davon besser zu viel als zu wenig. Sie hat in München studiert, zeitweise in Berlin gelebt und erfreut sich nun seit drei Jahren am idyllischen Zürich.