«Du bist verrückt mein Kind, du musst nach Berlin», eines der wohl bekanntesten Zitate und jenes, mit welchem sich die meisten Mehrmaltouristen identifizieren. Berlin, jeder scheint schon mal da gewesen zu sein und alle zieht es hin. Aus verschiedenen Gründen: Party, Kunst, Szenen oder einfach um cool zu sein. Es scheint als lieben alle diese Stadt, jeder muss dort hin und irgendwie fühlt sich jeder als Experte.

Woher kommt diese Anziehung die Berlin auf viele hat? Wie können sich dort so viele Träume erfüllen? Und gibt es noch Orte an denen man Ruhe vor den Touristenströmen und Hipsteranstürmen hat? Am Ende sind es die Menschen die dort leben, die genau diese undefinierbare Energie von Berlin prägen und aufgebaut haben. In dieser Artikelserie sprechen wir mit Menschen, welche für uns genau dieses bunte Berlin ausmachen. Menschen, die diese spezielle Energie kennen, sie selbst erlebt haben und uns ihr Berlin zeigen.

Berlin ist: die Freiheit des Seins

«Berlin gibt dir so viele Chancen wie du brauchst, du kannst fünf Mal auf die Nase fallen und keinen stört es», erzählt uns Bert. Man kann erkennen wie sehr er dies genau so erlebt hat. Uns scheint, als gehöre er in diese Stadt. Man kann sich den schlanken Mann mit den wilden Locken und dem eigenwillig-coolen Style in wenig anderen Städten so gut vorstellen.

Er empfängt uns freudig, herzlich und mit einer unvergleichbaren Offenheit in seiner Wohnung in Friedrichshain. Alles passt, und doch passt nichts. Der Altbau ist cool eingerichtet, irgendwie abgeranzt, mit einer Note Extravaganz. Trotzdem kein Showroom, man fühlt sich wohl.

Der Fotokünstler ist durch einen Freund und ganz per Zufall nach Berlin gekommen, wo er nun bereits seit 10 Jahren lebt. Es fing- wie in vielen Fällen- mit Veranstaltungen und Promo an. Jetzt ist Bert aber ganz woanders gelandet: Fotokünstler oder Lightpainting Artist heisst es, wovon er jetzt lebt. Und dies hat er sich selbst beigebracht.

Fotografieren mit Langzeitbelichtung, einer Menge Kreativität und Talent.«Da gab es halt mal diese Ausschreibung, dort hab ich mich beworben und mir das erklären lassen», erzählt er uns mit einem Schmunzeln im Gesicht. Jetzt ist er richtig gut darin was er macht und tourt durch Europa, mit Olympus. Eine Story, wie Berlin sie möglich macht:  jeder kann die Chance bekommen sich zu verwirklichen.

Ursprünglich aus Baden-Baden weiss er, was es bedeutet auf dem Land aufzuwachsen. Wie es ist anders zu sein und nach seinen Erfolgen und oberflächlichen Kriterien beurteilt zu werden. Genau das ist es, was er an Berlin so liebt- alle diese Klischees existieren nicht. «Dein Sein ist wichtig, nicht dein Status» so beschreibt er den Vibe in Berlin. Jeder ist, wie er sein will und es wird akzeptiert. Wenn nicht, ist es auch entspannt. Alles ist entspannt in Berlin.

Bert Silzner

Lightpainting Artist

Instagram: bertsilzner

Olympus Playground: https://perspectiveplayground.com

Feiern? Ist auf jeden Fall ein Thema- wie die meisten wenn sie nach Berlin kommen am Anfang meist sehr exzessiv. Jetzt ist es wohl etwas weniger geworden. Aber wenn man Hinz und Kunz kennt, wie es uns bei Bert so vorkommt, dann hat man immer noch ein Herz für gute Parties. Man findet ihn gerne auf Parties von Freunden, die nicht mehr so gut wären, wenn wir sie hier nennen würden. Oder auch im Ohm Club– übrigens sein Geheimtipp an uns- direkt oben am allseits bekannten Tresor.

Bert nimmt uns mit auf einen Spaziergang durch sein Berlin und wir finden uns in einem kleinen Stück Grün wieder. Hier, genau in der Mitte zwischen Warschauer Strasse und Berghain, zwei der wohl frequentiertesten Orte in Berlin, direkt an den Gleisen befindet sich dieses kleine Gärtchen. Man muss sich zwar kurz seinen Weg durch das Gestrüpp bahnen doch wird dann belohnt. Vögel zwitschern, wir sind ganz alleine und geniessen die Ruhe. Ein Stück Natur mitten in der Stadt- und durch seine Lage irgendwie ganz speziell.

Weiter geht es und wir landen in den Prinzessinengärten – dieser Ort ist auch für uns einer der liebsten in Berlin. Ein urbanes Landwirtschaftsprojekt mit ökologischem Anbau. Mit Freunden im Garten sitzen, dies ist das Gefühl welches einem dort überkommt. Ein kühles Getränk und selbst angebautes Essen aus den Gärten. Menschen mit Kindern, ohne Kinder, Werber, Touristen, Ökos und wie man sie alle schubladisieren möchte. Hier total egal- man ist einfach da, geniesst zusammen und das ist schön so.

Bert fühlt sich wohl in Berlin, dies merkt man. Die Stadt ist sein zuhause und egal wo und wie lange er durch die Welt tingelt es geht ihm jedes Mal gleich: «Ich komme zurück und es geht genau da weiter wo ich aufgehört habe. Nicht wieder mühsam von vorne. Es fühlt sich an als freue sich Berlin immer, dass ich wieder zurück bin.»